Jul 18
Endlich: Das politisch korrekte Konzerterlebnis

Gerade komme ich von einem Open-Air-Konzert zurueck und muss spontan die Gelegenheit ergreifen, davon zu berichten. Der Ort des Geschehens war eine Wiese in einem Park auszerhalb Seattles. Dort war eine Buehne aufgebaut, ein Sichtschutzzaun drumherum gezogen und ein paar Dixie-Klos hingestellt. Soweit, so gut.

Die Unterschiede zu einem vergleichbaren Konzert in Deutschland begannen auf den Wiesen vor dem Konzertbereich. Meine Dresden-Erfahrungen liesen mich erwarten, dass bei einer (ausverkauften!) Veranstaltung einer international bekannten lokalen! Gruppe doch ein paar Neugierige oder Sparsame Leute drauszen vor der Absperrung stehen und so zumindest akustisch am Geschehen teilnehmen koennen oder dass dies durch weitraeumige Absperrungen verhindert wird. Nichts von beidem war der Fall. Es standen vereinzelte Schilder, dass dieser Teil des Parkes gesperrt waere und keiner schien sich zu getrauen dagagen zu verstossen.

Nachdem ich drin war habe ich mir erstmal einen Ueberblick verschafft und bin dann zum Bierstand. Dieser stand zwar direkt neben den anderen Staenden mit ungesunden Speisen, war aber von diesen durch einen unauffaelligen kleinen Holzzaun getrennt. Wollte man ein Bier kaufen musste man zuerst durch eine Personenkontrolle, wo von Jedem! potentiellen Biertrinker der Ausweis kontrolliert wurde und man nach Feststellung der Volljaehrigkeit ein weisses Armbaendchen umgeklebt bekam, welches dann am Bierstand zum Bierkauf berechtigte.

Mit meinem Bier schlenderte ich weiter ueber das Gelaende und sah eine riesige (ca. 80m lange) Schlange. Den ueberstrapazierten Scherz, dass es sich dabei eventuell um ostdeutsche Emigranten handeln koennte, die nach Bananen anstehen verkneife ich mir hier. Es stellte sich hereus, dass die Leute einfach am Merchandising Stand standen um T-Shirts, CDs, Poster oder Anstecker zu erwerben. Ein mir bisher unbekanntes Verhalten. Drei Damen verkauften in aller Ruhe die Waren und riefen den naechsten auf, wenn sie einen Kunden abgefertigt hatten.

Mein Bier war mittlerweile leer und ich sah mich nach Muelleimern um. Man will ja den oeffentlichen Park nicht vollmuellen und ich fand auch welche. Jeweils drei Stueck nebeneinander darueberhaengend jemweils ein Schaukasten mit in die jeweilige Tonne zu entsorgendem Beispielmuell. Damit nicht genug standen daneben noch freiwillige Helfer mit selbstgebatikten T-Shirts, die den Muellentsorgern bei Fragen zur Verfuegung standen (”Den Bierbecher bitte in die mittlere Tonne”), oder bei Falscheinwurf den Fehler mit einer Muellzange berichtigten. Zu allem Ueberfluss sah ich von der Muelltone kommend auch noch eine Besucherin mit Dem T-Shirt-Aufdruck “Master Receycler Composter”, und fing langsam an, mich zu fragen, wo ich denn hier hingeraten sei :-)

Ich machte mich langsam auf den Weg vor die Buehne. Der Platz war ziemlich leer, was daran lag, dass die meisten Besucher Klappstuehle mitgebracht hatten und damit den Platz um den Platz-vor-der-Buehne herum dicht an dicht belagerten. Ich hatte Appetit auf eine Zigarette. Ueberfluessig an dieser Stelle zu erwaehnen, dass es sich bei einem Freiluftereignis im Land der unbegrenzten Moeglichkeiten natuerlich um eine Nichtraucherveranstaltung handel. Ich sah allerdings ab und an eine Rauchwolke aufsteigen und als sich ein Gast vor mir eine anzuendete fasste ich auch Mut und tat ihm gleich. Eine halbe Zigarette spaeter kam ein Ordner zu dem Mitraucher vor mir und forderte ihn auf die Kippe zo loeschen und zeigte auszerdem noch nach hinten. Geschickt gelang es mir, meine Zigarette vor dem Zugriff des Wachpersonals zu verbergen. Allerdings lies ich sie nachdem er verschwunden war unbemerkt fallen und trat sie aus. Nach der Vorband drehte ich noch eine Runde und erkannte, warum die Ordnungskraft nach hinten gewiesen hatte hier gab es eine Raucherinsel. Natuerlich auszerhalb des Veranstaltungsgelaendes. Dazu war ein Tor geoffnet welches Zutritt zu einem kleinen umzaeunten Areal mit ein paar Aschenbechern und jeder Menger Rauchern ermoeglichte.

Bleibt anzumerken, dass die Vorbands Ra Ra Riot sowie The New Pornographers herrvorragend musiziert haben und bei Death Cab For Cutie keine Wuensche offen blieben! Ein gelungener Abend. Spaeter zog dann sogar noch die eine und andere untolerierbare Haschischschwade durch die Luft und tat ein Uebriges zum entspannten Konzerterlebnis. ;-)

P.S. Die Fotos zum Text gibts hier

abgelegt unter keine Kategorie | 18. Juli 2009 22:54 | bisher kein Kommentar

Mai 27
Freaks zu Ostern

Nicht, dass man auch an normalen Tagen hier Leute beobachten kann, die man als Vertreter der vorurteilsbeladenen grauen Masse, zu der ich mich natuerlich nicht zugehoerig fuehle, als verrueckt bezeichnen wuerde. Aber zu Ostern gab es eine Haeufung von solchen Beobachtungen.

Ich habe nichtsahnend meinen wochenendlichen Spaziergang durch die Stadt (zu dem einen oder anderen Plattenladen) unternommen und habe mich schon gewundert, dass mehr seltsam gewandete junge Leute als sonst unterwegs waren, mir aber noch nichts dabei gedacht. Als es dann aber immer mehr wurden fiel mir ein, dass ich etwas von einer Anime Convention , also einer Art Messe fuer Liebhaber japanischer Comics, gelesen hatte. Teilweise erinnerte die Verkleidung an Fabelwesen aus den Herr-der-Ringe-Filmen mit risiegen (Papp-)Schwertern und sonstigen Utensilien, andererseits gab es Typen, die aussahen wie das schlimmste Klischee von japanischen Schulmaedchen. Und natuerlich jede Variation dazwischen sowie links und rechts davon. Sehr amuesant anzuschauen.

Als naechstes sah ich einen Kerl (Typ Oeko-Hippie) STRICKEND! in einer Bushaltestelle sitzen und einer Mitwartenden erklaerend wie das ganze funktioniert und dass man mit duennen Nadeln feinere Muster stricken kann. Da musste ich mir echt das Lachen verkneifen :-)

Zu guter Letzt gab es auf dem zentralen Platz, auf dem regelmaeszig Meinungsaeuszerungen jedweder Art stattfinden (Anti-Bush, Pro- und Anti-Israel, Pro-Haschisch, Anti-Suende, Pro-Schwulenehe, Anti-Krieg, Pro-Veteranen, Pro-Jesus, …) die oesterlicher Gesangsvorstellung eines Afroamerikaners der mit vollster Inbrunst das Wort “Jesus” rappte. Immer und immer wieder. Immer nur dieses Wort. Ich habe mich nur noch gefreut, dass wenigstens einen Ausgeflippten mit einem Osterbezug gibt :-)

P.S.: Alle, die meine Riesenei-Osterkarte bekommen haben werden hiermit gebeten einen Kommentar unter diesem Artikel zu hinterlassen. Natuerlich auch alle, an denen dieser Krug sei es durch meine Missachtung oder Verlorengegangensein auf dem Postweg, vorbei gegangen ist ;-)

abgelegt unter keine Kategorie | 27. Mai 2009 22:34 | bisher kein Kommentar

Mai 27
Mt. Rainier

Keine Ahnung, ob ich es schonmal erwaehnt habe, aber einer der absoluten Hoehepunkte Seattles  (zumindest, wenn es nicht bewoelkt ist) ist der Blick auf den ca. 150 km entfernten Mt. Rainier (sprich: Maunt Renier -ier wie in Tier :-) ). Der ca. 4500m hohe Vulkankegel steht ziemlichungestoert von anderen Bergen in der Landschaft herum, ist rund ums Jahr schneebedeckt und bricht hoffentlich solange ich hier bin nicht aus ;-)

Ein Standard-Postkartenmotiv ist der Blick von einem Huegel ueber die Hochhaeuser von Downtown Seattle mit dem Berg im Hintergrund. Und so kitschig das klingt: ich koennte stundenlang einfach diesen Anblick genieszen. Natuerlich im Original und nicht auf einer Postkarte.

Leider hatte ich es bisher noch nicht geschafft mal den gleichnamigen Nationalpark zu besuchen, welcher den Berg umgibt. Zum Glueck ist bei mir gerade Besuchssaison und mein letzter Besucher aus der Heimathatte nach drei Tagen genug von der Stadt (bzw. zuwenige Shoppingmoeglichkeiten in ihr ;-) ) und wollte in die Natur. Gesagt – getan: ein Auto gemietet und uebers Wochenende hingefahren.

Freitag abend haben wir noch ein Hotel in der Naehe gebucht und die nette Besitzerin hat uns darauf hingewiesen, dass eine Strasse durch den Nationalpark, die laut Internet noch wegen Schnee gesperrt war genau an diesem Tag geoeffnet wurde. Wir haben sogleich unsere Route neu berechnen lassen :-) . Die Anfahrt war einfach fantastisch. Immer wieder grandiose Ausblicke auf den idealen Vulkankegel. Dazu herrlichstes Fruehsommerwetter und trotzdem teilweise meterhohe Schneewaende links und rechts der Strasze.

Nachmittags waren wir dann in unserem Hotel (das Dorf hatte auszerdem noch eine Kneipe, ein Cafe, eine Pizzeria und einen  Supermarkt nebst ein paar Wohnhaeusern alles entlang einer Hauptstrasze zu bieten). Da noch genug Zeit war empfahl uns die nette Lady noch eine Wanderung zu einem Stausee zu machen. Nach ca. 45 min sind wir aber wieder umgekehrt, da auf dem Wanderweg auch immer mehr Schnee lag. Trotzdem war es mal wieder herrlich in der Natur zu sein. Abends sind wir dann in besagte Kneipe eingerueckt und haben Stilecht einen Burger gegessen. Auf dem Rueckweghaben wir noch ein paar Elche durch Dorf spazieren sehen, die sich nicht stoeren liesen.

Am naechsten Tag sind wir dann richtig in den Nationalpark ‘reingefahren. d.h. soweit es die Schneeverhaeltnisse zuliesen. An der auf dem hoechsten erreichbaren Punkt gelegenen Lodge lagen dann wieder noch mehrere Meter Schnee und einige Leute sind sogar noch Ski und Snowboard gefahren. Wir genossen die klare Bergluft, die Hoehensonne und das Bergpanorama.

Bilder vom Ausflug gibt es hier.

P.S.: Windowsnutzer kennen sicher die dort installierte Schriftart Tahoma. Dieses Wort ist die indianische Bezeichnung fuer Mt. Rainier!

abgelegt unter keine Kategorie | 22:13 | bisher kein Kommentar

Apr 29
Kino-Update

Ich war mittlerweile auch wieder ein paar mal im Kino. Zuerst habe ich The International gesehen und habe mir von einem Berlinale-Eroeffnungsfilm eigentlich mehr erwartet als einen teilweise doch ziemlich langatmigen Action-Streifen. Die beste Szene war eine perfekt choreografierte Schiessere im New Yorker Guggenheim-Museum, die sich bestimmt ueber 15 min hinzog.
Dann musste ich leider einen der schlechtesten Filme aller Zeiten sehen: Knowing mit Nicolas Cage. Bis kurz vorm Schluss war er trotz B-Movie-hafter Spezialeffekte noch ertraeglich und hat an die Unheimliche Begenung der Dritten Art erinnert. Leider war mit der Ankunft der Auszerirdischen aber nicht Schluss, sondern man musste noch mit Ansehen, wie Sekunden vor der Zerstoerung der Erde durch eine Sonneneruption (mit ca. 100 km/h), sich der Wissenschaftler-Hauptdarsteller mit seinem Prediger-Vater versoehnte und das auserwaehlte, von einer hoeheren Macht gerettete,  Kinderpaar auf einem anderen Planeten unschuldig in weiss gekleidet wie Adam und Eva durch ein wogendes Kornfeld auf einen bluehenden Apfelbaum zugingen. Mir wurde richtig koerperlich schlecht! Ich bin ueberzeugt, der Film wurde von irgendeiner obskuren Glaubensgemeinschaft finanziert, die verboten gehoert!

abgelegt unter keine Kategorie | 29. April 2009 22:49 | bisher kein Kommentar

Apr 23
Geocaching

Wie schon erwaehnt, hatte ich mal wieder Besuch. Und zwar vom ungekroenten Koenig der saechsischen Geocacher, der seinen Resturlaub abbauen musste. Waehrend ich meinem Broterwerb nachging wurden die Caches in Seattle gesucht und gefunden sowie Kontakte zu GeoCacherInnen geknuepft ;-)

Angeblich rein zufaellig fand zur selben Zeit hier eine Geocaching-Ausstellung  statt. Veranstaltet vom Betreiber der groeszten Geocaching Webseite, der seinen Sitz auch in Seattle hat.

Es war schoen wieder einmal Besuch zu haben nicht nur, um mal wieder Deutsch sprechen zu koennen oder die Moebel nicht alleine tragen zu muessen, sondern auch weil sich dadurch die Gelegenheit ergab mal, wieder etwas mehr von der Umgebung zu sehen.

Am ersten Wochenende sindwir ans Meer. Haben uns ein Auto gemietet und sind ca. 4h Richtung Suedwesten an die Kueste in Washington gefahren. Leider spielte das Wetter nicht so richtig mit. Es gab die heftigsten Niederschlaege des ganzen Jahres. Aber den wahren Geocacher schreckt das natuerlich nicht. Trotzdem sidn wir jeweils soweit es ging an die Caches ‘rangefahren. Einmal sogar ueber den Sandstrand. Wo wir das Auto kurz abstellten. Das ist zwar erlaubt und wird von den Amis rege genutzt, trotzdem eine grosze Umweltsauerei.

Ein Wochenende spaeter stand ein Ausflug ueber die Grenze nach Vancouver auf dem Programm. Dorthin sind es auch nur ca. 3h Fahrtzeit mit dem Auto. Trotzdem hatte ich es bisher noch nicht ins Nachbarland geschafft. Diesmal war das Wetter bedeutend besser. Herrliche Fruehlingssonne. Beim Grenzuebertritt nach Kanada begingen wir gleich den ersten Fehler und ordneten uns beim Versuch im Dunkeln den richtigen Weg zu finden in der sogenannten Nexus-Spur ein. Als wir bemerkten, dass das hoechstwahrscheinlich nicht die richtige Spur fuer uns ist war es zu spaet und ein Spurwechsel dank dicht installierter Poller unmoeglich. Obwohl wir das einzige Auto weit und breit auf allen Spuren waren bekamen wir einen Zettel mit dem handchriftlichen Vermerk “No Nexus”, mussten an den Rand fahren, Aussteigen und ins Haeuschen gehen wo wir erklaert bekamen, dasswir fuer die Nexus Spur einen Nexus-Pass brauchen (der die Abfertigung fuer regelmaeszige Grenzgaenger erleichtert), bekamen von freundlcihen Beamten unsere Stempel und durften weiterfahren.

Auf dem Rueckweg war etwas mehr Verkehr, allerdings nicht soviel, um eine 2-stuendige Wartezeit zu rechtfertigen. Dies gab uns aber Zeit, nochmal Auszusteigen und gegenueber auf der kanadischen Seite ein tolles Verkehrsschild zu fotografieren. Es zeigte 2 Schilder zur Geschwindigkeitsbegrenzung. Auf dem einen eine 30 auf dem anderen eine 50. Darunter: “Think metric – Denke metrisch!” 30 meilen/h = 50 km/h :-)

Auszerdem schien der US-Grenzbeamte auchNachhilfe in Freundlichkeit von ehemaligen DDR-Grenzern erhalten zu haben. Und warum wir ihm jeweils nochmal ausfuehrlich bestaetigen mussten, was er eh schon in unserem Pass bzw. ueber uns in seinem Computer lesen konnte bleibt mir ein Raetsel.

Vancouver an sich hat mich von der ersten Minute an begeistert, was nicht zuletzt daran lag, dass wir das perfekte Hotelzimmer hatten. In der 26. Etage am Ende der Haupttouristenstrasze mit Blick ueber die gesamte Stadt, Teile der Bucht und schneebedeckte Berge. Vancouver ist kompakter als Seattle, in der Innenstadt weniger huegelig und noch Naeher am Wasser und an den Bergen und natuerlich auch schon fuer die Olympiade im naechsten Jahr herausgeputzt. Jederzeit einen Abstecher wert.

P.S. Natuerlich sind wir beim Erkunden der Stadt auch immer wieder ganz zufaellig an Geocaches vorbei gekommen! ;-)

abgelegt unter keine Kategorie | 23. April 2009 22:46 | bisher kein Kommentar

Apr 23
In eigener Sache: Twitter

Da die Updaterate in letzter Zeit etwas nachgelassen hat gibt es ab sofort Mikro-Updates ueber den Mikro-Blogging-Dienst Twitter in der Seitenleiste rechts. Viel Spasz damit!

Natuerlich darf auch immer noch kommentiert werden ;-)

abgelegt unter keine Kategorie | 09:13 | bisher kein Kommentar

Apr 20
Umzug

Mittlerweile bin ich schon 13 Monate hier im schoenen Seattle und geniesse es immer noch.

Allerdings habe ich eine Eigenart des amerikanischen Vermietsystems kennengelernt. Als ich nach meiner Ankunft eine Wohung gemietet hatte habe ich den Mietvertrag fuer ein Jahr abgeschlossen. Ich haette damals auch einen monatlichen Mietvertrag bekommen koennen. Dann waere die eh schon betraechtliche Miete allerdings um 40% hoeher gewesen. Dann doch lieber ein Jahr in derselben Wohnung. Dieses gebaren kann man ja noch verstehen. Und noch voreinigen Jahren war es auch in Deutschland ueblich Mietvertraege fuer mindestens 12 Monate abzuschliessen. Jetzt kommt allerdings der Unterschied: in Deutschland laufen die Vertraege danach einfach weiter als waere nichts geschehen und unterliegen auch keiner weiteren Frist. Hier allerdings bekam ich vor Ablauf ein Schreiben des Vermieters, dass mein Mietvertrag auslaufen wuerde und ich mich doch mal melden soll. Meine einzige Moeglichkeit waere gewesen, den Vertrag fuer weitere zwoelf Monate neu abzuschliessen.

Da ich mich schon laenger mit dem Gedanken trug, mir eine andere, hellere, kleinere (und damit preiswertere) Wohung zu suchen war es eigentlich ganz gut, dass ich durch das Auslaufen des Mietvertrages einen gewissen Druck hatte, mir eine neue Wohnung zu suchen. Also begann ich Anzeigen zu lesen und ein paar Wohnungen zu besichtigen. Ich hatte auch schon eine gefunden die ganz nett war, allerdings wie alle anderen einen entscheidenden Nachteil besasz. Ich haette meine Top-City-Lage mit 10-minuetigem Fuszweg ins Buero aufgeben muessen.

Also habe ich mal bei meinem Vermeiter nachgefragt ob man am Preis nichts aendern koennte. Konnte man. war mir aber immer noch zu teuer und ich wollte mal wieder eine Wohnung mit wenigstens ein bisschen Aussicht und etwas mehr Licht. Auch das war machbar.

Lange Rede – Kurzer Sinn ich bin vor ein paar Wochen im selebn Wohnkomplex umgezogen. Bewohne jetzt nur noch 60qm statt vorher 90. Habe dafuer einen Blick auf einen begruenten “Innenhof” und das naechste Haus ist nicht mehr 5m vor meinem Fenster sondern vielleicht 50. Mein Balkon ist auch groeszer und zum zur Anlage gehoerigen Swimingpool und Fitnesscenter muss ich auch nur noch 3 Etagen die Treppe runter gehen. Muss ich wirklich mal machen ;-)

Und das beste am ganzen Umzug war: Ganz zufaellig hatte ich gerade in der Zeit meines Umzuges Besuch aus Deutschland! So musste ich meine Sachen nicht alleine durch die Tiefgarage schleppen!

P.S. Wer an meiner neuen Adresse interessiert ist kann diese per eMail erfragen oder auf Post warten, die schon unterwegs ist.

abgelegt unter keine Kategorie | 20. April 2009 23:08 | bisher kein Kommentar

Feb 15
Lesen

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich in den letzten Jahren kein einziges Buch gelesen habe. Traurig aber wahr.

Ein Vorteil eines solchen Auslandsaufenthaltes ist, dass alle Besucher (zu recht) denken,dem Emigranten etwas aus der Heimat mitzubringen und was liegt da neben Schokolade, Gummibaerchen und Nutella am naechsten? Ein Buch in deutscher Sprache. Und so wurde ich mehr oder weniger zum Lesen gezwungen ;-)

Begonnen hat es mit Robert Ludlums “Der Tristan Betrug“. Genau das richtige erste Buch nach Jahren des Nichtlesens: Eine extrem spannende Spionagegeschichte im Moskau zu Zeiten Stalins vom Autor der Bourne Trilogie. Nicht unbedingt die anspruchsvollste Lektuere aber spannend von der ersten bis zur letzten Seite obwohl die Schlusspointe ahnbar ist.

Weiter ging es mit Leonie Swanns: Glenkill – Ein Schafskrimi. Kaum zu glauben, aber hier klaert eine Schafsherde den Mord an ihrem Schaefer auf. Sehr witzige Beschreibung der menschlichen Eigenschaften der Schafe, die sich nur in der Herde wohlfuehlen (Zumdest die meisten). Unbedingt empfehlenswert und zu recht auf der Spiegel Bestsellerliste (gewesen).

Die naechsten Besucher haben mich dann mit anderen Sachen, wie z.B. einer Axt!, beschenkt und so musste ich die Chance des weihnachtlichen Heimaturlaubes nutzen mich selbst mit neuem Lesestoff zu versorgen. Anregung dazu gab es von einem Freund, mit dem ich (dank gesteuertem Zufall) im Zug von Leipzig nach Dresden fuhr (und den ich in der Aufzaehlung lieber Freunde im nachtraeglichen Weihnachtseintrag uebergangen ungerechtfertigerweise habe). Er las den Gewinner des Deutschen Buchpreises 2008 Uwe Tellkamps: “Der Turm” und gab mir eine kurze Beschreibung des Inhalts. Eine autobiografisch angehauchte Familiengeschichte im letzten Jahrzehnt der DDR aus der Sicht eines Abiturienten. Handlungsort ist Dresden, Weiszer Hirsch. Da kamen mehrere Dinge zusammen, die das Werk interessant machten.Ich habe ungefaehr im selben Alter wiedie Hauptperson in der DDR gelebt, ich habe die laengste Zeit meines Lebens in Dresden gewohnt und der Buchpreis zeugt ja auch von einer gewissen Qualitaet. Zu Beginn ziemlich zaeh, die Sprache kuenstlich wirkend, wird man nach und nach hineingezogen in die Vorwende-Familiensaga. Viele Orte erkennt man als Dresdner wieder. Viele Orte/Personen behielten ihre Namen andere wurden aus welchen Gruenden auch immer umbenannt, obwohl klar ist was/wer gemeint ist. Einiges erscheint uebertrieben, z.B. wie die Bezirksparteileitung in einem Schloss residiert das man nur nach dreimaliger Personenkontrolle, und das von Hightech nur so strotzt, dass alles auf Knopfdruck bewegt wird…. Sehr gut finde ich die Charakterisierung der Dresdner als ewig gestrige, die ihrem alten Dresden nachhaengen und dieses am liebsten wieder haben wollen (was sie ja zum Teil mittlerweile auch bekommen haben). Unbedingt Lesenswert!

abgelegt unter keine Kategorie | 15. Februar 2009 22:57 | bisher kein Kommentar

Feb 13
Alltag 2 – Das Wetter

Das Wetter ist ja ein Thema, was immer geht und vielen Leute scheinen auch interessiert daran zu sein, wie denn das Wetter hier ist. Denen kann geholfen werden ;-)

Meine Lieblingspostkarte von Seattle zeigt vier Bilder der Spaceneedle. Je eine im Fruehling, Sommer, Herbst und Winter. Sie zeigt viermal das selbe Bild: Die Kuppel der Spaceneedle im Nebel. Und spielt mit dem Klischee, welches zumindest die Amis von Seattle haben: “Dort oben regnets immer” – Dem ist nicht so!

Sofern man meine Beobachtungen waehrend meines nun knapp einjaehrigen Aufenthaltes verallgemeinern kann trifft folgendes zu: Eigentlich ist das Wetter hier im kuestennahen amerikanischen Nordwesten genauso wie in Deutschland. Allerdings ist es im Winter nicht ganz so kalt und im Sommer nicht ganz so warm. Ein weiterer Unterschied besteht in der Verteilung des Niederschlages. Von Ende Oktober bis Mitte Mai ist Regenzeit und von Mitte Mai bis Ende Oktober nicht unbedingt Trockenzeit, aber doch niederschlagsfreie Zeit.

Waehrend der ersten anderthalb Monate, die ich hier war hat es tatsaechlich fast jeden Tag geregnet. Nicht aus Kuebeln sondern eher ein feiner Nieselregen, der immer mal wieder aufhoert und von Neuem beginnt. Esgab auch ein paar seltene sonnige Tage (und diese erstaunlicherweise meist am Wochenende! :-) ) aber meistens war der Himmel einfach nur grau. Danach hat es bis Mitte Oktober (fast) gar nicht mehr geregnet. Permanenter Sonnenschein, nicht einmal unterbrochen von einem Waermegewitter – sehr schoen. Schnee liegt, zumindest hier unten, auch selten, was auch erklaert, dass man nicht auf Schnee vorbereitet ist (siehe Eintrag Weihnachten).

Von meinen Kollegen wird die Geschichte kolportiert, dass es vor einigen Jahren einen Rekordniederschlag gegeben hat. 34 Tage ununterbrochenen Regen! Wodurch es etwas verstaendlicher wird, warum Seattle die hoechste Suizidrate in den USA haben soll (Fuer Kurt Cobain spielten aber wohl andere Gruende die Hauptrolle).

In dieser Regenzeit gab es aber bisher zum Glueck noch keine neuen Dauerregenrekorde und die Sonne kommt immer mal wieder durch.

Man muss jedoch gar nicht weit fahren um anderes Wetter zu erleben. ca. 50 km westwaerts. direkt an der Kueste gibts Regenwald und die selbe Entfernung nach Osten gibt es in den Bergen die besten Wintersportgebiete mit ueppiger Schneebracht.

Wie gesagt: die erwaehnte Postkarte ist zwar witzig und spielt mit Stereotypen. Diese werden aber wie so oft von der Realitaet widerlegt.

abgelegt unter keine Kategorie | 13. Februar 2009 23:22 | bisher kein Kommentar

Feb 12
Konzert Saison

Wow. schon ueber einen Monat ohne einen Konzertbesuch. Das muss geaendert werden, dachte ich mir letzte Woche, als ich das oertliche Stadtmagazin “The Stranger” aufschlug und die neuesten Konzertankuendigungen las. Einige meiner Lieblings-Live-Bands finden den Weg in meine derzeitige Heimatstadt. Da habe ich doch gleich en gros Tickets gekauft, die mich gerade von meiner Ticketwand anlaecheln. Ende diesen Monats kommt der unvergleichliche Antony. Der Maerz siehtim Moment konzertmaeszig noch sehr leer aus, aber im April kommen gleich vier Highlights nacheinander. Und zwar die Live absolut rockenden Franz Ferdinand, dazu Bloc Party, Travis und The Killers.

Ein weiterer Hoehepunkt steht im Juni an: Coldplay spielen im fantastischen Naturtheater am Columbia-Fluss, wo ich schon immer mal hinwollte.

Ich freu mich! :-)

abgelegt unter keine Kategorie | 12. Februar 2009 23:07 | bisher kein Kommentar