Jul 18
Endlich: Das politisch korrekte Konzerterlebnis
Gerade komme ich von einem Open-Air-Konzert zurueck und muss spontan die Gelegenheit ergreifen, davon zu berichten. Der Ort des Geschehens war eine Wiese in einem Park auszerhalb Seattles. Dort war eine Buehne aufgebaut, ein Sichtschutzzaun drumherum gezogen und ein paar Dixie-Klos hingestellt. Soweit, so gut.
Die Unterschiede zu einem vergleichbaren Konzert in Deutschland begannen auf den Wiesen vor dem Konzertbereich. Meine Dresden-Erfahrungen liesen mich erwarten, dass bei einer (ausverkauften!) Veranstaltung einer international bekannten lokalen! Gruppe doch ein paar Neugierige oder Sparsame Leute drauszen vor der Absperrung stehen und so zumindest akustisch am Geschehen teilnehmen koennen oder dass dies durch weitraeumige Absperrungen verhindert wird. Nichts von beidem war der Fall. Es standen vereinzelte Schilder, dass dieser Teil des Parkes gesperrt waere und keiner schien sich zu getrauen dagagen zu verstossen.
Nachdem ich drin war habe ich mir erstmal einen Ueberblick verschafft und bin dann zum Bierstand. Dieser stand zwar direkt neben den anderen Staenden mit ungesunden Speisen, war aber von diesen durch einen unauffaelligen kleinen Holzzaun getrennt. Wollte man ein Bier kaufen musste man zuerst durch eine Personenkontrolle, wo von Jedem! potentiellen Biertrinker der Ausweis kontrolliert wurde und man nach Feststellung der Volljaehrigkeit ein weisses Armbaendchen umgeklebt bekam, welches dann am Bierstand zum Bierkauf berechtigte.
Mit meinem Bier schlenderte ich weiter ueber das Gelaende und sah eine riesige (ca. 80m lange) Schlange. Den ueberstrapazierten Scherz, dass es sich dabei eventuell um ostdeutsche Emigranten handeln koennte, die nach Bananen anstehen verkneife ich mir hier. Es stellte sich hereus, dass die Leute einfach am Merchandising Stand standen um T-Shirts, CDs, Poster oder Anstecker zu erwerben. Ein mir bisher unbekanntes Verhalten. Drei Damen verkauften in aller Ruhe die Waren und riefen den naechsten auf, wenn sie einen Kunden abgefertigt hatten.
Mein Bier war mittlerweile leer und ich sah mich nach Muelleimern um. Man will ja den oeffentlichen Park nicht vollmuellen und ich fand auch welche. Jeweils drei Stueck nebeneinander darueberhaengend jemweils ein Schaukasten mit in die jeweilige Tonne zu entsorgendem Beispielmuell. Damit nicht genug standen daneben noch freiwillige Helfer mit selbstgebatikten T-Shirts, die den Muellentsorgern bei Fragen zur Verfuegung standen (”Den Bierbecher bitte in die mittlere Tonne”), oder bei Falscheinwurf den Fehler mit einer Muellzange berichtigten. Zu allem Ueberfluss sah ich von der Muelltone kommend auch noch eine Besucherin mit Dem T-Shirt-Aufdruck “Master Receycler Composter”, und fing langsam an, mich zu fragen, wo ich denn hier hingeraten sei
Ich machte mich langsam auf den Weg vor die Buehne. Der Platz war ziemlich leer, was daran lag, dass die meisten Besucher Klappstuehle mitgebracht hatten und damit den Platz um den Platz-vor-der-Buehne herum dicht an dicht belagerten. Ich hatte Appetit auf eine Zigarette. Ueberfluessig an dieser Stelle zu erwaehnen, dass es sich bei einem Freiluftereignis im Land der unbegrenzten Moeglichkeiten natuerlich um eine Nichtraucherveranstaltung handel. Ich sah allerdings ab und an eine Rauchwolke aufsteigen und als sich ein Gast vor mir eine anzuendete fasste ich auch Mut und tat ihm gleich. Eine halbe Zigarette spaeter kam ein Ordner zu dem Mitraucher vor mir und forderte ihn auf die Kippe zo loeschen und zeigte auszerdem noch nach hinten. Geschickt gelang es mir, meine Zigarette vor dem Zugriff des Wachpersonals zu verbergen. Allerdings lies ich sie nachdem er verschwunden war unbemerkt fallen und trat sie aus. Nach der Vorband drehte ich noch eine Runde und erkannte, warum die Ordnungskraft nach hinten gewiesen hatte hier gab es eine Raucherinsel. Natuerlich auszerhalb des Veranstaltungsgelaendes. Dazu war ein Tor geoffnet welches Zutritt zu einem kleinen umzaeunten Areal mit ein paar Aschenbechern und jeder Menger Rauchern ermoeglichte.
Bleibt anzumerken, dass die Vorbands Ra Ra Riot sowie The New Pornographers herrvorragend musiziert haben und bei Death Cab For Cutie keine Wuensche offen blieben! Ein gelungener Abend. Spaeter zog dann sogar noch die eine und andere untolerierbare Haschischschwade durch die Luft und tat ein Uebriges zum entspannten Konzerterlebnis.
P.S. Die Fotos zum Text gibts hier

